"Ich kann es Ihnen sagen: Klarer Fall von Ikarus Effekt. Zu hoch geflogen, und ganz tief gefallen. Die kleine Butze, die bei meinem ersten Besuch noch den Eindruck eines getarnten Dönerladens machte und mich bei meinem zweiten Besuch eines Besseren belehrte, ist mittlerweile einer Etage in einem neu errichteten und gesichtslosen Einkaufszentrum im Herzen ? von Markdorf gewichen. Eine räumliche Veränderung dieser Art ist erstmal positiv zu bewerten, zeigt es doch, daß das gastronomische Konzept aufgegangen ist. Daß es mittlerweile auch eine Außenstelle in Überlingen gibt bei der die Gerichte im Schnitt preislich 3 Euro über denen in Markdorf liegen und eine in Meckenbeuren, läßt sich für den Anfang gut an. Scheinbar, denn: Genau da liegen die Crux und der Grund für das Scheitern des Goa: Gut dreimal so viele Gäste haben jetzt Platz in den Räumlichkeiten, und die Belastung der Küche ist somit auch dreimal höher. Bei entsprechender Auslastung kann es dann schon eine Stunde oder länger dauern, bis das Essen auf dem Tisch steht. Ist dann das Küchenpersonal überfordert oder schlichtweg unfähig , bahnt sich schon das kulinarische Debakel an: Die Samosas waren delikat, wenn auch ziemlich trocken, an den Pakoras gab es nichts zu mäkeln. Das Lamm mit Linsen sowie das Lamm mit Spinat jedoch stellten sich als echtes Desaster heraus: So zäh, daß wir es mit dem Messer nicht zerteilt bekamen und dabei von dermaßen penetrantem Geschmack nach altem Hammel ich bezweifle, daß dieses Lamm vorher in Joghurt und Gewürzen mariniert worden war. Nach viel Überwindung nicht nur, was den ersten Bissen anging ließen wir beide Portionen zurückgehen mit der Bitte, das Fleisch so zu garen, daß es verzehr und genießbar wäre. Nach mehr als einer halben Stunde kam das Essen nochmals an den Tisch, mit demselben Ergebnis: Das Fleisch erwies sich als eine Ansammlung zäher, gummiartiger Brocken, die beim besten Willen einfach nur widerwärtig schmeckten. Der Koch sei wegen des Besucheransturms überlastet und habe das Fleisch erst gekocht und dann gegrillt !!! , so die Bedienung das zeugt nicht von Professionalität und Beherrschung des Berufs, sondern von völliger Planlosigkeit. Das war noch schlimmer als Lamm mit Minzsoße in England, und das ist weiß Gott ein schlimmes kulinarisches Verbrechen. Die Soßen waren hervorragend, und auch das Peshawari Naan mit Nüssen und Rosinen, das muß gesagt werden, aber nur für eine Soße und ein Fladenbrot gehe ich nicht auswärts essen trotz aller Beteuerungen der Bedienung, daß ihnen die ganze Sache ausgesprochen unangenehm sei, wurden uns dennoch beide Mahlzeiten voll in Rechnung gestellt: Knapp 60 Euro sind kein Pappenstiel für vergeudete Zeit, vergeudete Ressourcen und vergeudetes Leben. Wenn man schon ein Tier umbringt, um es zu essen, sollte man ihm wenigstens so viel Ehre und Respekt erweisen, etwas Delikates daraus zuzubereiten, um den Dalai Lama mal zu zitieren. Ich wage zu behaupten, daß der Laden immer noch brummen würde, wäre er am alten Ort geblieben, und ich bin sicher, daß mein Urteil genauso positiv ausgefallen wäre wie beim letzten Mal. Wenn aber einer größer wird, als ihm guttut, und leichtsinnig, weil er seine Grenzen nicht erkannt hat, dann bin ich nicht bereit, dafür auch noch viel Geld auf den Tisch zu legen. Schade. Wieder eine kulinarische Empfehlung weniger für die Region, zumal ich nach dieser Erfahrung keine Lust mehr hatte, dem Laden in Meckenbeuren einen Besuch abzustatten und wieder auf die Schnauze zu fallen."